Wildseide

Als Wildseide wird Seide bezeichnet, deren Fasern aus den Kokons bereits geschlüpfter Seidenspinner gewonnen werden. Zu den Wildseitenarten gehören unter anderem die Fagaraseide, die aus den Kokons des Atlasspinners gewonnen wird, und die Tussahseide, gewonnen aus den Kokons des Eichenseidenspinners. Auch aus den Kokons des Maulbeerseidenspinners kann Wildseide hergestellt werden.

Gewinnung von Wildseide

Es gibt unterschiedliche Wege, um Seide zu gewinnen. Für Maulbeerseide werden die Larven in den Kokons des Seidenspinners abgetötet, um einen vollständigen, unzerstörten Kokon abhaspeln zu können. Im Gegensatz zur Maulbeerseide wird Wildseide erst gewonnen, wenn die Falter den Kokon bereits verlassen haben. Dabei wird der Kokon zerstört, wodurch Wildseide eine etwas uneinheitlichere Oberfläche als normale Haspelseide hat.

Der Herstellungsprozess

Die ersten Arbeitsschritte zur Gewinnung von Seide sind immer gleich: Zunächst müssen die Kokons gesammelt werden. Während Maulbeerspinner allerdings bereits seit Jahrhunderten für die Seidenproduktion gezüchtet werden, leben andere Seidenspinner, wie der japanische Eichelseidenspinner oder Atlasseidenspinner, wild. Ihre Kokons werden erst eingesammelt, wenn der Schmetterling geschlüpft ist. Die Seide des Eichelseidenspinners wird als Tussahseide, die des Atlasspinners als Fagaraseide bezeichnet.

Die Kokons werden gereinigt, anschließend laufen in einem so genannten Haspelbad große Bürsten über sie hinweg. Spindeln erfassen je einen Seidenfaden und wickeln diesen in einem Zug vom Kokon ab – das so genannte Abhaspeln. Ein Wildseidenfaden kann eine Länge von bis zu 3000 Metern erreichen; die meisten Fäden haben eine Länge zwischen 300 und 900 Metern. Aufgrund der Verletzungen im Kokon, die durch das Schlüpfen der Falter entstanden sind, können die Fäden nicht immer in einem Zug abgehaspelt werden und müssen versponnen werden. Schließlich werden die Rückstände des Seidenleims, mit dem der Kokon zusammengehalten wurde, aus den Seidenfäden entfernt.

Eigenschaften von Wildseide

Wildseide weist wie normale Haspelseide auch einen sehr hohen Glanz und eine hohe Reißfestigkeit auf. Charakteristisch sind allerdings die leichten Verdickungen im Gewebe; sie kommen zustande, wenn die einzelnen Seidenfäden zusammengesponnen werden müssen. Ein weiterer Unterschied zur Maulbeerseide besteht darin, dass Wildseide nicht reinweiß ist. Ihre Färbung hängt von der hauptsächlichen Nahrung der Raupen ab; je mehr Gärbstoffe die Nahrung enthält, desto dunkler wird die Wildseide. Wildseide lässt sich daher weniger leicht einfärben. Aufgrund ihres hohen Glanzes, der temperaturausgleichenden Wirkung und des angenehmen Tragekomforts wird Wildseide allerdings in der Textilindustrie sehr geschätzt.

Pflegehinweise

Wildseide ist zwar ein wenig gröber und nicht ganz so fein wie Haspelseide, aber ebenso empfindlich. Daher empfiehlt sich zur Reinigung die Handwäsche mit milden Seidenshampoos oder die Textilien werden in eine chemische Reinigung gegeben.

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