Seidenweber

Seidenweber sind Weber, die auf das Weben von Seide spezialisiert sind. Die Seidenweberei verlangte von den Webern eine besondere Fingerfertigkeit: Seidenfäden gelten zwar als sehr reißfest, werden beim Weben aber dennoch sehr leicht zerstört. Im glatten Seidengewebe lassen sich derartige Schäden nur sehr schwer verstecken und mindern den Wert der Seidenstoffe erheblich.

Geschichte der Seidenweberei

Hölzerne Webrahmen für das Weben per Hand sind bereits für die Jungsteinzeit nachgewiesen. Das Weben gehört somit zu den ältesten Kulturtechniken. Erste Entwürfe für mechanische Webstühle gibt es seit Ende des 17. Jahrhunderts. Erst 1728 allerdings entwickelte ein Seidenweber seinen Webstuhl durch die Einführung eines Schiffchens so fort, dass der Webprozess beschleunigt werden konnte. Durch das Hinzufügen einer hölzernen Lochkarte wurde es 1745 erstmals möglich, Stoffe mit Mustern anzufertigen. 1785 entwickelte Edmond Cartwright den ersten vollmechanischen Webstuhl – hunderte von Webern verloren daraufhin ihre Arbeitsplätze.

Die Geschichte der Seidenweberei in Europa und vor allem in Deutschland ist unter anderem im Haus der Seidenkultur in Krefeld zu besichtigen.

Aufstand der Seidenweber

Vor der Industrialisierung arbeiteten Weber in der Regel im eigenen Heim am eigenen Webstuhl. Mit dem Aufkommen von Fabriken wurde die Seidenweberei zentralisiert; mehrere Weber arbeiteten nun in großen Hallen an ihren Webstühlen. Die harte Arbeit brachte nur einen geringen Verdienst, die Arbeitsbedingungen schufen ebenfalls Unzufriedenheit. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts formierte sich daher Widerstand unter den Webern; als 1828 die Ankündigung der Fabrikanten durchdrang, den Lohn der Weber um 15 Prozent zu kürzen, kam es zu Aufständen in Krefeld. 1831 formierte sich außerdem eine Protestbewegung der Seidenweber im französischen Lyon. Die Proteste wurden allerdings von den Husaren niedergeschlagen. Bei dem Vorgehen gegen die Streikenden in Lyon gab es 600 Tote, rund 10.000 Personen wurden aus der Stadt vertrieben. Auch ein zweiter Aufstand der französischen Seidenweber wurde 1834 gewaltsam niedergeschlagen.

Obwohl die Proteste der Seidenweber in Frankreich ein blutiges Ende fanden, wurden sie zum Ausgangspunkt der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert.

Der Beruf des Seidenwebers im 21. Jahrhundert

Heute ist der Beruf des Seidenwebers ein anerkannter Ausbildungsberuf gemäß der Handwerksordnung. Die Ausbildung dauert drei Jahre, anschließend erfolgt die Prüfung zum Gesellen. Seit dem 1. Januar 2004 dürfen auch Weber ohne Meisterbrief den praktischen Teil der dualen Ausbildung übernehmen.

In den westlichen Industrieländern werden die meisten Gewebe industriell produziert, die klassische Seidenweberei hat vor allem als Kunsthandwerk Bedeutung. Etwas anders sieht es in den Dritte-Welt-Ländern und Schwellenländern aus, wo noch traditionell von Hand gewebt wird.

Webtechniken und Bindungsarten

Um Seide oder auch andere Materialien zu verweben, gibt es verschiedene Bindetechniken. Beim Weben werden mindestens zwei verschiedene Fadensträge, der Kett- und der Schussfaden, miteinander verkreuzt. Auf diese Weise entsteht das zusammenhaltende Gewebe. Die Kettfäden sind vorgespannt und bilden den Träger, die Schussfäden werden darüber über die gesamte Webbreite eingezogen. In der Bindungslehre werden nun drei grundlegende Bindungsarten unterschieden:

  • Leinwandbindung oder Taftbindung: Die einfachste Bindungsart, der Schuss wird abwechselnd über und unter die Kettfäden hindruch geführt. Wird zum Beispiel für Chiffon, Crepe Georgette und Organza verwendet.
  • Körperbindung: Hierbei führt der Schussfaden erst unter einem Kettfaden hindurch, dann über zwei Kettfäden hinweg, dann wieder unter einem hindurch usw.
  • Atlasbindung: Hierbei wird der Schuss unter einem Kettfaden hindurch geführt, geht dann über mehr als zwei Kettfäden hinweg, usw. Auf diese Weise entsteht ein zweiseitiger Stoff, wie etwa der Crepe Satin, da auf einer Seite die Schuss-, auf der anderen die Kettfäden dominieren.
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