Seidenanbau

Unter Seidenanbau, auch als Seidenbau oder Serikultur bezeichnet, werden alle Arbeitsschritte verstanden, die zur Herstellung natürlicher Seide nötig sind – von der Zucht der Seidenraupen über die Ernte der Kokons bis hin zur Verarbeitung der Seidenfasern zu Seidenfäden.

Geschichte des Seidenanbaus

Seidenbau wird in China schon mindestens seit 2.800 v. Chr. betrieben. Chinesische Seide stammt damals wie heute vom Maulbeerseidenspinner Bombyx mori. Diese wurden bereits sehr früh gezielt gezüchtet, um die Kokons der Raupen zur Seidenherstellung zu nutzen. Der Legende nach soll der chinesische Kaiser Fu Xi als erster auf die Idee gekommen sein, die Raupen zu züchten und so leichter an Nachschub für das edle Gewebe zu kommen. Genaue Zeugnisse und Nachweise, wann die kommerzielle Seidenraupenzucht in China begann, gibt es allerdings nicht. Genauso früh wie der Seidenbau entstand auch der Fernhandel mit chinesischer Seide. Der feine Stoff war im gesamten Mittelmeerraum sehr beliebt. Unter Todesstrafe war es dagegen verboten, die Raupen oder Schmetterlinge sowie Eier des Bombyx mori außer Landes zu bringen. Um 555 n. Chr. herum konnten jedoch zwei persische Mönche einige Eier zum oströmischen Kaiser schmuggeln; dies begründete die Seidenzucht in Italien. Noch heute gehört jedoch China zu den wichtigsten Importeuren von Seide.

Zum Seidenanbau werden heute neben dem Maulbeerseidenspinner auch andere Seidenspinner, zum Beispiel der Atlasspinner und der Eichenspinner, genutzt. Aus den Kokons des Atlasspinners wird die hellbraune, robuste Fagaraseide gewonnen.

Arbeitschritte des Seidenanbaus

Zum Seidenbau gehören verschiedene Arbeitsschritte:

  • Die Zucht der Raupen: Die Raupen des Maulbeerseidenspinners leben monophag, das bedeutet, sie ernähren sich ausschließlich von den Blättern des Maulbeerbaumes. Auf großen Plantagen werden die Raupen gezüchtet.
  • Das Einsammeln der Kokons: Haben sich die Raupen verpuppt, werden die Kokons von Hand eingesammelt.
  • Das Abtöten der Larven: Um unbeschädigte Kokons verarbeiten zu können, werden die Larven des Maulbeerseidenspinners vor dem Schlüpfen abgetötet. Anders sieht es bei Wildseide aus – hier wartet man, bis die Falter schlüpfen und verarbeitet die Kokons erst dann weiter.
  • Reinigen und Abhaspeln: Die Kokons werden in einem heißen Seifenbad gesäubert, anschließend abgehaspelt – so bezeichnet man das Abwickeln des Seidenfadens in einem Zug. So erhält man die Rohseide. Aus den nicht abhaspelbaren Bestandteilen des Kokons wird Schappeseide hergestellt, aus den Resten Bouretteseide.
  • Die Rohseide wird anschließend vom Seidenleim befreit, was als Entbasten bezeichnet wird. Nun kann der Seidenfaden weiterverarbeitet werden.

Gewonnene Produkte

Beim Seidenbau von Maulbeerseide werden neben der Rohseide und der daraus entstehenden Maulbeerseide noch folgende Seidenprodukte gewonnen:

  • Bouretteseide aus den kürzesten Seidenfäden
  • Schappeseide aus mittellangen Seidenfäden

Wildseide

Im Gegensatz zur klassischen Maulbeerseide wird Wildseide erst gewonnen, wenn die Larven bereits geschlüpft sind. Der Kokon ist dadurch beschädigt, weswegen der Seidenfaden nicht mehr in einem Zug abgewickelt werden kann. Dadurch entstehen Unregelmäßigkeiten, die im fertigen Wildseiden-Gewebe einen festeren Griff und eine weniger glänzende Optik ergeben.

Seidenertrag und Nebenprodukte

100 Seidenraupen fressen um die 180 – 450 kg Maulbeerblätter. Für 250 g Seidenfaden werden etwa 3000 Kokons benötigt, das entspricht im Mittel 1 Kilogramm.

Die Nebenprodukte der Seidenproduktion werden zum Beispiel in der Tierfütterung genutzt.

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